DAVID - VON DER LIEBE ZU SICH SELBST

Ich grüße euch! Eine Sache zu Beginn, damit ihr den Kontext versteht. Ich bin Anfang Februar nach Köln umgezogen, die genauen Details sind unwichtig, es zählt nur, dass alles gerade sehr neu und manchmal irgendwie auch überfordernd ist.


Die ersten Tage waren, wie zu erwarten, recht turbulent. Ich gewöhnte mich an das eigenständige Leben und verbrachte viel Zeit mit meinen besten Freunden. Diese Euphorie sollte aber nicht lange anhalten. Es gab gewisse Momente, die das Gedankenkarussell andrehten. Mental war ich also oft etwas durcheinander, hatte Wortfindungsstörungen, konnte mich nicht gut konzentrieren und brach ständig Sätze ab, weil ich den Faden verloren hatte oder merkte, dass sie komplett unpassend waren. Das frustrierte mich natürlich. Leider sind Themen wie Selbstwert, Selbstliebe, Selbstakzeptanz, Sexualität und Unsicherheit bzw. fehlendes Selbstbewusstsein sehr wichtig und jeder sollte sich wenigstens einmal im Leben Gedanken dazu gemacht haben. Da ich noch nicht viele wirklich gründliche Überlegungen angestellt habe, möchte ich heute Selbstakzeptanz und die daraus folgende Selbstliebe betrachten.


Meine These zum Anfang. „Was man nicht akzeptiert, kann man nicht lieben.“

Es gilt also festzustellen, was mich ausmacht, welche (komischen) Eigenarten ich habe und wie ich aussehe. Für Dinge, wie dein Aussehen oder tiefsitzende Charakterzüge kannst du nichts, aber du musst lernen, diese zu akzeptieren und für dich anzunehmen. Das ist definitiv leichter gesagt, als getan, aber es kann dein Selbstbewusstsein extremst stärken, wenn du so zu dir stehst, wie du auf diese Welt gekommen bist. Ich denke, es ist sinnvoll, wenn du mal ganz bewusst dein Spiegelbild wahrnimmst. Entdecke kleine Narben, andersfarbige Haare oder ein Muttermal. Diese kleinen Merkmale sind es, die dich einzigartig machen. Da ich eigentlich kein Fan von diesen pseudo-psychologischen Ansätzen bin, möchte ich euch ganz praktisch ein Beispiel aus meinem Leben erzählen. Meine Geschwister und Ich haben alle die anatomischen Merkmale meiner Mutter geerbt, was bedeutet, wir sind alle sehr „schmal“. Ich war schon immer ein sogenanntes „Skinny-Kid“. In der Pubertät trug ich nur noch längere T-Shirts, keine Tanktops. Die Leute um mich herum machten sich über meine Spaghettiarme lustig. Scham spielt in diesem Alter leider eine viel zu große Rolle. Selbstakzeptanz würde so aussehen, dass ich meine Gene so annehme – verändern kann ich sie ja nicht mehr. Wichtig ist aber, dass ich nicht in diesem Zustand stagniere. Ich kann akzeptieren, dass ich eher schlank bin, aber trotzdem mein Bestes geben, um stärker zu werden und Muskeln aufzubauen. Es ist ein Fehler zu denken, du bist perfekt, wie du bist. Das ist eine Lüge, denn niemand ist perfekt. Außerdem würdest du nicht weiter wachsen und reifen, Potenzial würde ungenutzt brachliegen. Was aber stimmt ist, dass du wunderbar und einzigartig geschaffen bist, mit allen Ecken und Kanten. Genau das ist es, was Schönheit ausmacht – die Imperfektion.


Wenn du das verstanden hast, kannst du übergehen zum Prozess der Selbstliebe. Da ich mir zu diesem Thema vorher auch noch keine Gedanken gemacht habe, versuche ich euch erst mal zu erläutern, wie ich Selbstliebe verstehe.

Am besten kann man es wahrscheinlich an einer partnerschaftlichen Liebesbeziehung verdeutlichen. Dabei bist du der Eine, als auch der andere Partner. Eine Beziehung mit deinem Klon. Im Grunde genommen ist es dann ganz simpel. Frag dich, wie du dein Freund/ Partner behandeln würdest. Wahrscheinlich willst du nur das Beste für diesen Menschen – genau so sollte es in der Beziehung zu dir selbst sein. Wenn du dein Partner liebst, wirst du ihn auch liebevoll behandeln. In Liebe ermahnen und zurechtweisen, aber auch in Liebe loben, aufbauen und unterstützen.


So, wie es GOTT es uns vorlebt und in der Bibel sagt. Liebe wird als langmütig und freundlich beschrieben. Sie kennt kein Neid, sie macht sich nicht wichtig oder bläst sich auf, sie ist nicht unanständig, sie sucht nicht das ihre, sie lässt sich nicht erbittern und rechnet das Böse nicht zu. Sie freut sich nicht an Ungerechtigkeit, sondern an der Wahrheit. Sie erträgt alles, sie hofft alles, sie erduldet alles. Die Liebe hört niemals auf. (1. Korinther 13, 4-8) Das ist Liebe! Von dieser Liebe sollte jede Beziehung geprägt sein – auch die zu sich selbst. Häufig tendieren wir aber zu einer absolut ungerechtfertigten Härte. Eine Härte, mit der wir niemals unseren Freunden begegnen würden. Deine Freundin sagt „Ich bin zu dick.“ Die meisten würden wahrscheinlich widersprechen und betonen, dass sie schön ist, so wie sie eben ist.


Warum siehst du dich dann aber selbst als zu dick oder zu dünn? Warum bist du nicht gnädiger mit dir selbst? Warum ist es okay, dass deine Mitmenschen „zu dünn“ sein dürfen, nur du nicht? Ist das nicht paradox?


Oder eine andere Begebenheit, die sich vor ein paar Tagen abgespielt hatte. Ich war nachmittags mit sehr guten Freundinnen unterwegs. Es war eine echt gute Zeit, aber auf der Rückfahrt musste ich plötzlich weinen, weil das angestaute Chaos in meinem Kopf einfach zu viel wurde. Manchmal muss man dann eben alles rauslassen. Nachdem ich mich wieder beruhigt hatte, sagte ich mir: „Ich muss mich wieder zusammenreißen. Ich bin ein Junge und möchte jetzt nicht bemuttert werden, nur weil ich mal Emotionen zeige.“ Allein dieser Gedanke ist so falsch. Jeder sollte seine Gefühle zeigen können, ohne dafür verurteilt zu werden. In unserer Gesellschaft ist es leider etwas verrufen, wenn Männer Emotionen zeigen. Das wird als schwach und feminin deklariert. Dieser Ansatz ist meiner Meinung nach sehr gefährlich, und hinterlässt Männer, die mit ihren Gefühlen überfordert sind und nicht wissen, wie sie reagieren sollen, da sie es einfach nicht gelernt haben.


Die Geschichte ist aber noch nicht zu Ende. Abends bekam ich noch Bauchschmerzen. So war ich also nicht nur psychisch, sondern auch physisch angeschlagen. In diesem Zustand wollte ich aber noch ernsthaft Nachhause laufen. Mir wurde angeboten vor Ort zu übernachten, ich tat mir schwer, willigte aber schließlich ein. Warum hätte ich mich noch nach Hause quälen sollen, wo ich weinend mit Bauchschmerzen schlafen gegangen wäre? Allen meinen Freunden hätte ich sofort erlaubt zu bleiben, warum mir nicht? Im Nachhinein finde ich diese Gedankengänge absurd. Es ist so krass, wie bösartig wir zu uns selbst sind. Das hat nichts mit Selbstliebe zu tun.

Manchmal ist es aber trotzdem wichtig Nein sagen zu können, denn Selbstliebe heißt auch Verzicht und das kennen der eigenen Grenzen. Deinem Kind (angenommen, du hättest welche) würdest du wahrscheinlich auch nicht nur Süßigkeiten geben, weil es eben nur diese möchte. Auf die Dauer würde es zu Krankheit führen, aber da du dein Kind liebst (hoffentlich), achtest du auf eine ausgewogene Ernährung. Das Kind muss lernen, dass es nicht immer Süßigkeiten essen kann. Moderation ist essentiell. Ich denke, dass ihr ungefähr einschätzen könnt, was gesund ist und was nicht. Selbstliebe erfordert dementsprechend viel Disziplin und Selbstbeherrschung. Es kann echt anstrengend sein, temporären Versuchungen zu widerstehen, aber wenn du das große Ziel im Auge behältst, ist es etwas leichter stark zu bleiben.


Genauso ist es auch wichtig Zeit für sich selbst zu nehmen. Der Körper braucht Zeiten der Ruhe und die hat er nicht, wenn du ständig erreichbar bist und immer und überall anwesend sein möchtest. Diese Auszeiten sind wichtig, um Gedanken zu sortieren und neue Energie zu tanken. Deinen Freunden würdest du vielleicht diese Pausen empfehlen, aber dir selber gönnst du sie nicht? Das hat nichts mit Egoismus oder Ignoranz zu tun, sondern zeigt, dass du dich selbst achtest und respektierst und deshalb auch Absagen verteilen darfst. Manchmal ist Überforderung gut und hilfreich zum Wachsen, aber auf Dauer führt eine Überlastung nur zu Schaden. Tu dir das bitte nicht an! Deine Freunde werden es verstehen, wenn nicht, würde ich an der Ernsthaftigkeit der Freundschaft zweifeln. Selbstliebe heißt also auch Grenzen setzten. Mach dir bewusst, was du in einem gesunden Rahmen ertragen kannst und übernimm Verantwortung, indem du für dich eintrittst. Jede gesunde Beziehung sollte diese Grenzen haben – so auch die zu dir selbst.

Hier möchte ich erstmal abschließen. Die letzten Seiten waren nur die Theorie, jetzt kommt die Praxis. Sei geduldig und gnädig mit dir! Diese Prozesse brauchen Zeit. Solltest du vergessen wie Liebe aussieht, lies einfach 1. Korinther 13, 4-8. So lebt GOTT Liebe. So können wir es ja zumindest versuchen.

Auf Wiedersehen, wenn du liest!

Auf Wiederhören, wenn du es vorgelesen bekommst!



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