PIA - VON SELBSTLIEBE UND SELBSTWERTGEFÜHL


Da saß ich also heulend und alleine auf meinem Küchenboden in meiner neuen Wohnung und fragte mich wie ich hier hin gekommen bin.


Im März 2019 war ich für ein paar Monate nach Bangladesch, um dort als Physiotherapeutin bei einer Organisation (MATI e.V.) zu arbeiten. Im Anschluss kam mein Freund mich dort besuchen und dann sind wir gemeinsam durch Myanmar und Kambodscha gereist. Mit meiner Schwester hatten wir uns dann in Vietnam verabredet, um dort ein paar Tage gemeinsam zu verbringen. Vietnam durchquerten meine Schwester und ich dann 2 Wochen alleine. Es war eine sehr aufregende und intensive Zeit.


In den letzten paar Wochen, bevor mein Aufenthalt in Bangladesch zu Ende gehen sollte, wurde es immer angespannter zwischen meinem Freund und mir. Wir habe uns immer mehr gestritten, beziehungsweise stritt er immer mehr mit mir. Ich habe nicht verstanden wieso. Ich habe gespürt, dass etwas nicht stimmt, aber ich konnte nicht greifen was es ist.


Letztlich haben wir uns nach 5 Jahren Beziehung getrennt. Nach mehreren Auf und Abs, nach unzähligen Gesprächen, hat es nicht mehr funktioniert. Mein Vertrauen war weg, sowie die Vorstellung einer gemeinsamen Zukunft.


Da saß ich also heulend und alleine auf meinem Küchenboden in meiner neuen Wohnung und fragte mich wie ich hier hin gekommen bin. In dem Moment kam mir folgender Vers in den Sinn:


„Liebe deine Mitmenschen, deinen Nächsten, wie dich selbst.“ (Matthäus 22,39)


Der Vers ging mir über Tage nicht aus dem Kopf, genauso wie meine Gedanken dazu. „Wie soll ich jemand anderen lieben wie mich selbst, wenn ich mich selbst nicht liebe? Wer bin ich eigentlich? Was macht mich zu mir? Und wer möchte ich sein?“


Versteht mich bitte nicht falsch. Ich war glücklich in meiner Beziehung und wir sind auch heute noch ein gutes Team. Wir haben uns durch einen wichtigen Lebensabschnitt begleitet und sind dabei zusammengewachsen. Trotzdem stellte sich mir die Frage: Welche Rolle habe ich in der Beziehung gespielt? Und wer bin ich als eigenständige Person? Habe ich mich weiterentwickelt und mein Potenzial ausgebaut, oder bin ich stehen geblieben?


In den nächsten Wochen hatte ich mich viel mit den Themen Selbstwert, Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein beschäftigt. Es wird so viel darüber gesprochen und es gibt so sau viele Ratgeber. Im Grunde geht es aber immer wieder darum:


Selbstwert = beschreibt die Art und Weise wie sich eine Person selber sieht und bewertet. Es geht um die eigene Wertschätzung. Es ist ein sehr individueller Bewertungsprozess und wird häufig an einer Vielzahl von inneren und äußeren Merkmalen abhängig gemacht – und genau das ist der Knackpunkt! Ich will mich nicht von anderen abhängig machen, ich will mich nicht davon abhängig machen, was die Person gegenüber grade von mir denkt, welche Frisur ich habe, von Geld, von meinen Beziehungen... Und dann bin ich auf diesen Denkansatz gestoßen: Die Trennung des Wortes SELBSTWERT in seine

Bestandteile SELBST + WERT.


1. SELBST = Es beschreibt eine individuelle Lebensform, ein einzigartiges Leben – „Ich bin einzigartig und unersetzlich. Ich bin individuell und wundervoll geschaffen!“


2. WERT = Es ist etwas Wert, es hat einen besonderen Wert. Im Grunde beschreibt das Wort die Heiligkeit meines einzigartigen Lebens. Es beschreibt einen unermesslichen Wert das, dass individuelle Leben mit keinem anderen zu vergleichen ist und schon gar nicht ersetzt werden kann.


Zusammengefasst bedeutet das: DU bist ein unermesslich wertvolles und heiliges, einzigartiges und unersetzliches Leben! Es beschreibt, wie bedeutsam DEIN Leben ist und damit völlig unabhängig von Alter, Geschlecht, Umständen, Erfahrungen, Leistungen, Schönheit, Verfassung... Es gilt in jedem deiner Lebensbereiche und ist nicht temporär! Das zu verstehen und uns bewusst zu machen ist so wichtig, denn unser Selbstwertgefühl beeinflusst unser Denken, unser Verhalten, unsere Reaktionen, unser Mindset und wie wir wahrnehmen und bewerten.


Ich bin noch lange nicht da angekommen, wo ich sein möchte. Aber das ist okay, denn ich weiß, dass es ein sehr langer Prozess ist. Ich lerne mich selber zu respektieren, zu akzeptieren und zu lieben. Ich weiß, wo ich gestartet bin und wie mir alleine dieses neue Verständnis von Selbstwert geholfen hat. Es ist Zeit zu gehen, Zeit sich zu verändern, Zeit zu wachsen, Zeit meinen Riese entgegenzutreten – und Gott wird immer an meiner Seite sein.


Mittlerweile sind 1 ½ Jahre vergangen und ich beginne zu verstehen, warum Gott mich in dieser Zeit vor so viele Herausforderungen gestellt hat. Es war die Trennung mit der alles begonnen hatte, dann habe ich das erste mal alleine gewohnt, meine Arbeitslosigkeit kurz darauf, ein Rechtsstreit mit meinem ehemaligen Arbeitgeber, ein neuer Job, Gesundheitliche Herausforderungen...


Ich musste erst da unten ankommen, damit ich verstehe und sehe, was er in mir sieht. Gott hat mich geschaffen. Gott hatte schon ein Plan für mein Leben, bevor ich überhaupt geboren wurde. „Schon als ich im verborgenen Gestalt angenommen habe, unsichtbar noch, kunstvoll gebildet im Leib meiner Mutter, da war ich dir dennoch nicht verborgen. Als ich grade erst entstand, hast du mich schon gesehen. Alle Tage meines Lebens hast du in dein Buch geschrieben, noch bevor einer von ihnen begann!“ (Psalm 139, 15-16)


Ich bin geliebt – Ich bin gewollt – Ich werde gebraucht.


Folgenden Gedanken habe ich aus einem Podcast für mich mitgenommen. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass DU auf diese Welt gekommen bist? Du kannst gerne versuchen, dass zu errechnen.


Damit du entstehst, müssen deine Eltern Sex gehabt haben. Dazu müssen deine Eltern sich erst einmal unter den vielen Menschen auf dieser Erde getroffen haben und dann auch noch anziehend gefunden haben – ich bin ja jetzt auch Single und weiß, dass ist gar nicht mal so einfach. Im Schnitt beträgt das Volumen eines menschlichen Samenergusses 2-6 ml, wobei 1 ml im Durchschnitt 20-150 Millionen Spermien enthält. Ich würde mich jetzt nicht als Mathe-Ass bezeichnen, daher sag ich einfach nur – OHA, was für eine Zahl! Und davon war ich genau EIN einziges Spermium. Jeden Monat reifen 15-20 Eizellen pro Eierstock in einer Frau ran, also 30-40 Stück. Davon bist DU genau EINE Eizelle. Wie hoch ist jetzt die Wahrscheinlichkeit, dass dieses EINE Spermium und diese EINE Eizelle sich treffen und DU entstehst?! _________________________________________________________________________________ Wie steht es mit deinem Selbstwertgefühl?

So viele Leute können nicht beschreiben, wie sich ein positives Selbstwertgefühl anfühlt.

Wie wäre es, einen höheren Selbstwert zu haben?

Aus den ganzen Ratgebern und pseudo Tipps von den ganzen Klatschblättern habe ich für mich mitgenommen, dass Strategien, um das Selbstwertgefühl zu verbessern, nur dann funktionieren, wenn man versteht was Selbstwert überhaupt ist.


DU bist ein unermesslich wertvolles und heiliges, einzigartiges und unersetzliches Leben! Vergiss das niemals. Und jeder der etwas anderes sagt, hat keine Ahnung!

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